24. November 2008

Barrierefreie Entwicklung

Unter barrierefreiem Internet bezeichnet man Angebote des World Wide Web, die unabhängig von körperlichen oder technischen Voraussetzungen von allen Nutzern ohne Einschränkungen (barrierefrei) genutzt werde können. Barrierefreie Entwicklung widmet sich speziell den Anforderungen bestimmter Gruppen. Größten Anteil daran hat die Entwicklung für Menschen mit Behinderungen, von denen vier von fünf Betroffenen das Internet nutzen. Um den transportierten Inhalt der Webseiten im gleichen Maße wie andere Nutzer wahrnehmen zu können, ist eine spezielle Aufbereitung der Angebote notwendig. Blinde und sehbehinderte Nutzer können sich bereits die Inhalte über eine bestimmte Software vorlesen oder in Braille-Schrift ausgeben lassen. Grafiken und in Bildern transportierter Text wird von dieser jedoch nicht übermittelt und bleiben dementsprechend unerkannt. Sie sollten daher mit alternativen Texten ausgewiesen werden. Sehschwache und ältere Menschen profitieren von einer Skalierbarkeit der Schrift und, wie auch Personen mit einer Rot/Grün-Sehschwäche, starken Kontrasten. Eine Navigation über Bilder, JavaScript und Flash ist für Nutzer mit Sehdefiziten von Nachteil.

Barrierefreie Entwicklung: Für Gehörlose gibt es spezielle Programmierungen

In der Hörleistung eingeschränkte oder gehörlose Nutzer, deren erste Sprache die Gebärdensprache ist, sind auf für sie zugeschnittene Darstellungsformate wie Audioübermittlung der Inhalte angewiesen. Personen mit motorischen Störungen navigieren die Webangebote mit Hilfe der Tabulatortaste. Wichtig ist auch eine dem Inhalt der Webseiten angepasste Sprache. Dieser Teil der barrierefreien Entwicklung ist speziell für öffentlich-rechtliche Webangebote bindet, um dem Prinzip der Gleichberechtigung unabhängig von Muttersprache, Bildungsgrad und Alter gerecht zu werden. Neben der besseren Zuggängigkeit barrierefreier Angebote für Nutzer mit Einschränkungen, bieten diese auch aus allgemeiner Sicht einen Vorteil: Immer mehr werden die Informationen des Internet von Softwareprogrammen durchsucht (beispielsweise von Robots der Suchmaschinen). Diese Programme nehmen eine Internetseite ähnlich wie ein sehbehinderter Mensch wahr. Bilder und Animationen bleiben ihnen verborgen. Als größtes Problem in der momentanen Entwicklung erweisen sich dabei die Captcha-Systeme, die dazu dienen Menschen und Robots zu unterscheiden. Diese Captchas werde unter anderem von Autoversicherungen, die auf Ihren Seiten ein Formular für eine Angebotserstellung zur Auto Finanzierung anbieten, genutzt. Üblicherweise geschieht das durch die visuelle Erkennung verzerrter Schriftzüge, was Blinde und sehschwache Menschen automatisch als Maschine behandelt.

Barrierefreie Entwicklung: Neue Informationstechnologie der IT- Branche

Neben der behindertengerechten Darstellung beschäftigt sich barrierefreie Entwicklung auch mit dem technischen Aspekt der Nutzung. Niemand soll die Pflicht haben, beim Abruf einer Internetseite die gleiche Software und Hardware zu installieren, wie sie der Autor des Projektes beim Erstellen genutzt hat. Außer um die Zugänglichkeit – im Englischen nennt man Barrierefreiheit „Web Accessibility“ – geht es vor allem um Plattformunabhängigkeit, die Nutzern von PC, PDA und Handy gleichermaßen zu Gute kommen soll. Werden allgemein geltende Standards missachtet, zum Beispiel das Codieren vom Umlauten in HTML, entstehen Webseiten, die nur von wenigen Browsern korrekt dargestellt werden. Das Einbinden aktiver Inhalte, wie Flash und JavaScript, schließt Nutzergruppen aus, die dafür notwendige Plug-ins nicht installiert haben. Möchte man jedoch Browsergames wie das Weltraum-Actionspiel Battlestar Galactica spielen, kommt man ohne diese genannten Techniken nicht aus und muss gegebenenfalls die benötigten Erweiterungne installieren. Grundvoraussetzung der Barrierefreiheit ist in jedem Fall gültiges HTML. Durch korrekten Einsatz von CSS erreicht man die strikte Trennung von Inhalt und Layout. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass sich Barrierefreiheit auch für den Autor eines Angebotes lohnt. Der Quelltext wird kleiner, die Ladezeiten verringern sich. Man spart Zeit und erreicht eine bessere Übersichtlichkeit der Datei. Und wie nebenbei auch noch ein besseres Ranking bei den Suchmaschinen durch die optimierte und logische Strukturierung der Webinhalte.